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26.06.2008 - High-Tech-Ikone, angefeindeter Monopolist und Wohltäter
"Ich glaube, dass mit dem Geschenk des großen Wohlstands eine große Verantwortung kommt", sagte Gates, mit einem Vermögen von geschätzten 58 Milliarden Dollar drittreichster Mann der Welt. Auf den Punkt brachte es seine Frau: "Wem, wie uns beiden, viel gegeben wurde, der soll auch viel zurückgeben." Über die mit rund 30 Milliarden Dollar ausgestattete Stiftung führt das Ehepaar bereits seit Jahren einen weltweiten Kampf für bessere Ausbildungschancen und gegen Krankheiten wie Aids, Malaria oder Tuberkulose.
Gates Engagement als Wohltäter brachte ihm auch einen bedeutenden Imagegewinn. Denn der 52-Jährige, der mit seinem jungenhaften Grinsen, seiner runden Brille und legeren Kleidung immer noch ein wenig aussieht wie der Student, als der er vor drei Jahrzehnten seine beispiellose Karriere begann, war nicht immer beliebt. Mehr als einmal wurde Microsoft vorgeworfen, seine Monopolstellung zu missbrauchen. Die Wettbewerbsbehörden haben seit langem ein wachsames Auge auf Gates' Unternehmen. Denn trotz erstarkter Konkurrenz dominiert das von ihm entwickelte Betriebssystem Windows noch immer die Computerwelt.
Schon früh entdeckte Gates seine Leidenschaft fürs Programmieren - an einer Privatschule im US-Westküstenstaat Washington erlernte der ebenso hochbegabte wie eigenwillige Sohn eines Anwalts und einer Lehrerin die Computersprache BASIC, die er rasch meisterhaft beherrschte. Während des Studiums an der Eliteuniversität Harvard entwickelte Gates dann mit seinem Schulfreund Paul Allen eine Software für den Heimcomputer Altair 8800 - der Durchbruch. Gates schmiss das Studium und widmete sich ganz seiner Firma Microsoft. Schon wenige Jahre danach gelang ihm der große Coup, als er dem Computerriesen IBM das Betriebssystem MS-DOS lieferte.
Mit 31 Jahren wurde Gates so zum reichsten Mann der USA. In den Folgejahren entwickelte Microsoft dann für das rasch expandierende Computergeschäft immer weiter Betriebssysteme, die auch weniger versierten Benutzern die Arbeit mit dem Computer erleichtern sollten. Heute laufen 90 Prozent aller Computer weltweit mit einer Software von Microsoft.
Doch der Riese aus Redmond hat auch so manchen Trend verschlafen - vor allem das Internet. Konkurrent Google ist schon längst keine Suchmaschine mehr und liegt heute mit weitem Abstand vorn im lukrativen Geschäft mit Werbeanzeigen im Netz. Der Kauf von Yahoo, mit dem Microsoft aufzuschließen hoffte, schlug fehl - trotz der zuletzt 47 Milliarden Dollar, die Microsoft zu zahlen bereit war. Den Markt der digitalen Musik wiederum beherrscht Apple mit seinem Kultprodukt iPod. Und immer mehr Firmen und Behörden entdecken als Alternative zu Windows das kostenlose Betriebssystem Linux, das in der offenen Zusammenarbeit von Softwareexperten rund um den Globus weiterentwickelt wird.
Gates, der den Posten an der Konzernspitze schon vor sechs Jahren an seinen Studienfreund Steve Ballmer abgegeben hat, hinterlässt also eine Menge Arbeit. Bei wichtigen Entscheidungen aber wird er auch weiterhin "da sein" für Ballmer, wie der im Mai sagte. "Ich frage dann Bill, meinen Freund und Kollegen. Er ist eine außergewöhnliche Stütze."
(26.06.2008 / Quelle: © 2008 AFP)



