News-Archiv


29.05.2008 - Ermittlungen gegen Ex-Telekom-Chef Ricke und Zumwinkel

Vorherige Newsmeldung Nächste Newsmeldung

Ricke und Zumwinkel
Bonn (AFP) - In der Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom stehen die ehemaligen Chefs von Vorstand und Aufsichtsrat, Kai-Uwe Ricke und Klaus Zumwinkel, im Blickpunkt der Ermittler. Die Anweisung zur Überwachung von Führungskräften und Journalisten sei aus ihrem Umfeld ergangen, sagte der Bonner Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel. Die Staatsanwaltschaft, die inzwischen ein offizielles Ermittlungsverfahren einleitete, durchsuchte zudem die Konzernzentrale, wobei sie laut Apostel vom Unternehmen volle Unterstützung erhielt. Medienberichten zufolge war die Überwachung deutlich umfangreicher als bislang bekannt.

Apostel sagte, es ließe sich nicht vermeiden, dass Ricke und Zumwinkel zunächst im Mittelpunkt der Ermittlungen stünden. Es müsse nun geklärt werden, ob die Anweisung, in der Telekom-Spitze nach den Quellen von Journalisten zu suchen, den Auftrag beinhaltete, auch illegale Methoden dabei anzuwenden. Das offizielle Ermittlungsverfahren leitete die Staatsanwaltschaft Bonn offenbar kurz vor der Durchsuchung in der Konzernzentrale der Telekom ein. Apostel betonte, bei den Ermittlungen habe der Unternehmensvorstand "ohne jegliche Einschränkung" kooperiert".

Entgegen der bisherigen Darstellung der Telekom, die Überwachung habe in den Jahren 2005 und 2006 stattgefunden und es seien nur Verbindungsdaten ausgewertet worden, berichtete die "Financial Times Deutschland", der Konzern habe bereits im Jahr 2000 Spitzelaufträge erteilt. Dabei habe unter anderem der damalige "FTD"-Chefreporter im Visier einer Detektei aus Berlin gestanden. "Spiegel Online" berichtete, die Telekom habe 2005 eine Detektei beauftragt, einen Informanten in der Redaktion des Kölner Wirtschaftsmagazins "Capital" unterzubringen.

Die Telekom äußert sich derzeit mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht zu solchen Darstellungen. Der Konzern verteidigte am späten Mittwochabend allerdings sein Vorgehen in der Spitzelaffäre. Konzernchef René Obermann habe 2007 bei der internen Aufarbeitung der ersten entdeckten Bespitzelung eines Journalisten von einem "verfrühten schädlichen Gang an die Öffentlichkeit" abgesehen. Die Telekom habe aber "durch unverzügliche interne Ermittlungen" noch im Jahr 2007 "weitreichende personelle und organisatorische Maßnahmen" ergriffen.

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat kündigten unterdessen an, Strafanzeige gegen unbekannt erstatten zu wollen. Derzeit stellten sie ein juristisches Team zusammen, dem auch die SPD-Politikerin Herta Däubler-Gmelin sowie der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) angehören sollen.

(29.05.2008 / Quelle: © 2008 AFP)