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25.05.2008 - Deutsche Telekom von Überwachungsskandal erschüttert

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Obermann
Bonn/Hamburg (AFP) - Die Deutsche Telekom wird von einem großen Überwachungsskandal erschüttert. Der Telekommunikationsriese wertete in großem Stil die Telefonverbindungsdaten eigener führender Mitarbeiter aus, wie das Unternehmen bekannte. Der Konzern schaltete nach eigenen Angaben selbst die Behörden ein. Konzernchef René Obermann versprach "lückenlose Aufklärung". Der stellvertretende Telekom-Aufsichtsratschef und Verdi-Bundesvorstand, Lothar Schröder, zeigte sich über die Bespitzelungsaffäre empört.

"Wenn sich diese Vorwürfe bestätigen, ist das ein Riesenskandal", sagte Schröder der "Welt am Sonntag". Er befürchtete zugleich einen Vertrauensverlust für das Unternehmen: "Die Arbeitsplätze der Mitarbeiter hängen an der Vertrauenswürdigkeit der Telekom".

Der "Spiegel" berichtet, der Konzern habe die Daten von Managern und Aufsichtsräten ausgeforscht. Um undichte Stellen aufzuspüren, sollte demnach eine Beratungsfirma im Auftrag der Telekom diese Datensätze auswerten und mit Telefonnummern und Verbindungsdaten von Journalisten abgleichen.

Die Telekom erklärte in Bonn, nach derzeitigen Erkenntnissen habe es 2005 und nach aktuellen Behauptungen auch 2006 Fälle von "missbräuchlicher Nutzung von Verbindungsdaten" gegeben. Ein erster ähnlicher Fall wurde nach Konzernangaben bereits im Sommer 2007 entdeckt und aufgeklärt. Die Überwachung ging demnach von der Sicherheitsabteilung des Unternehmen aus. Die Abteilung wurde nach Telekom-Angaben in der Zwischenzeit komplett umgebaut und "mit neuen Kontrollmechanismen personeller und organisatorischer Art" versehen.

Am 28. April wurden dem Konzernvorstand dann nach eigenen Angaben neue, "wesentlich umfangreichere und noch gewichtigere Vorwürfe" durch ein Schreiben bekannt, das von einem "offenbar an den Vorgängen extern Beteiligten" stammte. Laut "Spiegel" hatte die Beratungsfirma der Telekom ein Fax geschickt, das erste interne Ermittlungen bei dem Konzern auslöste.

In dem Schreiben heißt es dem Nachrichtenmagazin zufolge, Ziel der Spähoperationen "Clipper", "Rheingold" und einiger anderer "Nebenprojekte" sei die "Auswertung mehrerer hunderttausend Festnetz- und Mobilfunk-Verbindungsdatensätze der wichtigsten über die Telekom berichtenden deutschen Journalisten und deren private Kontaktpersonen" gewesen. Auf die gleiche Weise bespitzelt wurden demnach mehrere Telekom-Aufsichtsratsmitglieder der Arbeitnehmerseite, und zwar "über einen Zeitraum von insgesamt anderthalb Jahren".

Telekom-Chef Obermann zeigte sich über die Vorwürfe "zutiefst erschüttert". Das Unternehmen werde die Staatsanwaltschaft "bei ihren Bemühungen um eine lückenlose Aufklärung unterstützen".

(25.05.2008 / Quelle: © 2008 AFP)