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22.01.2008 - "Der Kampf ist noch lange nicht zu Ende"

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Bochum (AFP) - "Meine Tante arbeitet bei Nokia", sagt die elfjährige Laura und hält ein selbstgebasteltes Protestplakat hoch. "Ich bin todtraurig, dass sie jetzt ihre Job verliert." Laura ist mit ihrer gleichaltrigen Freundin Sarah an diesem Dienstagmorgen zum Marktplatz in Bochum-Riemke gekommen, um mit 15.000 anderen Menschen gegen die Schließung des benachbarten Nokia-Werks zu demonstrieren. Zuhause haben die Gesamtschülerinnen ein kleines Transparent gemalt. "Wir platzen gleich vor Wut, weil Nokia bleiben soll", steht darauf zu lesen. "Es ist einfach nur unfair, dass nun so viele Menschen bei Nokia arbeitslos werden", sagt Sarah leise.

Es sind auffallend viele junge Menschen unter den Demonstranten, die sich auf dem viel zu kleinen Platz vor der Riemker Kirche versammelt haben. Wie an anderen Bochumer Schulen war auch in der Erich-Kästner-Gesamtschule, die Sarah und Laura besuchen, an diesem Morgen bereits nach der dritten Stunde Schluss mit Unterricht. Die Pennäler sollten Gelegenheit haben, an der Solidaritätskundgebung für die Nokia-Mitarbeiter teilzunehmen - genau eine Woche nach dem Tag, an dem der finnische Handyhersteller das Aus für sein Bochumer Werk verkündet hat.

"Wir wollen klarmachen: Bochum gehört zu Nokia, Nokia gehört zu Bochum", ruft die örtliche IG-Metall-Bevollmächtigte Ulrike Kleinebrahm wenig später den Demonstranten auf dem Riemker Marktplatz zu. "Bochum steht, die Region steht." Mit der Protestveranstaltung in der Ruhrgebietsstadt beweist die Metaller-Gewerkschaft in der Tat einmal mehr, dass sie innerhalb weniger Tage eine machtvolle Demonstration auf die Beine stellen kann: Tausende sind mit Sonderbussen nach Bochum gekommen - unter anderem VW-Mitarbeiter aus Wolfsburg und Ford-Beschäftigte aus Köln. Allein 2000 Opel-Mitarbeiter aus Bochum, Rüsselsheim und Kaiserslautern sind unter den Demonstranten. "Opelaner solidarisch mit Nokianern", lautet der Text auf ihren Transparenten.

Zwar sind auch zahlreiche Parteipolitiker in den beiden Demonstrationszügen mit von der Partie - darunter Linken-Chef Oskar Lafontaine. Ans Rednerpult bei der Kundgebung darf Lafontaine aber nicht, was auch für die Vertreter der anderen Parteien gilt. Hauptredner ist vielmehr IG-Metall-Chef Bertold Huber, der dem Nokia-Management auf dem Riemker Marktplatz ein vernichtendes Zeugnis ausstellt. "Klammheimlich" habe Nokia die Schließung des Bochumer Werks mit seinen 2300 Beschäftigten beschlossen, kritisiert der Gewerkschaftschef. Das sei ein "hinterfotziges Vorgehen", fügt er hinzu. "Ich kann den Verantwortlichen bei Nokia nur sagen: Wenn Sie noch einen Funken Anstand haben, dann nehmen Sie Ihre Entscheidung zurück."

Riesenbeifall bekommt Huber, als er die Nokia-Verantwortlichen daran erinnert, dass Eigentum nach deutschem Verfassungsverständnis dem Allgemeinwohl dienen soll. "Und darauf bestehen wir, und diese Regel gilt auch für Nokia." Das Management des finnischen Konzerns müsse auf einer Betriebsversammlung den Bochumer Nokia-Beschäftigten "Rede und Antwort" stehen, fordert der Metaller-Chef und warnt die Nokia-Spitze zugleich vor einem weiteren Imageverlust in Deutschland. Wenn die Belegschaft dazu gezwungen werde, dann werde sie auch kämpfen, zeigt sich Huber überzeugt. Eine solche Auseinandersetzung aber werde auch die Marke Nokia "nicht ungeschoren lassen".

Auch Bochums SPD-Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz will von Resignation im Kampf um die Bochumer Nokia-Arbeitsplätze nichts wissen. "Menschenverachtend und gewissenlos" habe sich Nokia gegenüber seinen Beschäftigten verhalten, sagt sie vor den applaudierenden Demonstranten. "Der Kampf ist noch lange nicht zu Ende."

(22.01.2008 / Quelle: © 2008 AFP)