News-Archiv


21.01.2008 - Aus für Nokia wäre teuerste Werksschließung in Deutschland

Vorherige Newsmeldung Nächste Newsmeldung

Nokia-Werk in Bochum
Essen (AFP) - Die von Nokia angekündigte Schließung des Werkes in Bochum könnte sich zur teuersten Werksschließung der deutschen Wirtschaftsgeschichte entwickeln. Die Kosten für das Aus der Handyproduktion in Bochum beliefen sich auf mehrere hundert Millionen Euro, berichtet die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Die heftige Debatte über das vom finnischen Handybauer beschlossene Aus für den Bochumer Standort kritisierte der finnische Botschafter in Deutschland als "ein bisschen hysterisch".

Sollte Nokia das Bochumer Werk tatsächlich wie angekündigt schließen, würde laut "WAZ" insbesondere der Sozialplan teuer für den Konzern werden. Dieser regelt beispielsweise Abfindungen und die Gründung von Beschäftigungsgesellschaften. Nokia müsste laut "WAZ" für den Sozialplan selbst tief in die Tasche greifen, da das Unternehmen nicht insolvent ist, sondern Gewinne macht.

Finnlands Botschafter Rene Nyberg betonte, er habe "Verständnis für die Menschen" im Ruhrgebiet. Die Schließung des Nokia-Werks sei ein "schwerer Schlag für eine ganze Region". Dennoch sei die Debatte um das Ende der Handyproduktion in Bochum "übertrieben und ein bisschen hysterisch". Deutschland gehöre zu den Gewinnern der Globalisierung. Es gebe aber "keine Globalisierung ohne große Strukturveränderungen", fügte er hinzu.

Für FDP-Generalsekretär Dirk Niebel zeugt der Boykottaufruf mehrerer Politiker gegen Nokia von Ohnmacht. Niebel forderte die Überprüfung der bisherigen Subventionspolitik in Deutschland, wie sie schon EU-Industriekommissar Günter Verheugen (SPD) angeregt hatte. Der "Braunschweiger Zeitung" sagte Niebel, die bisherige Subventionspolitik habe "nicht dazu geführt, dass dauerhaft Arbeitsplätze gesichert worden sind". Vielmehr führe sie zu einem "Subventionstourismus", bei dem Unternehmen nach dem Ablauf von vorgegebenen Fristen "nach der nächsten Subvention (...) schielen".

(21.01.2008 / Quelle: © 2008 AFP)