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Scharf, Schärfer, HDTV - das hoch auflösende Fernsehen erobert die Wohnzimmer
So nahm nach Angaben des Branchenverbandes gfu der Absatz von TV-Geräten seit Mai 2006 gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent und der Umsatz sogar um 60 Prozent zu. Der Durchschnittspreis verkaufter TV-Geräte stieg im Vergleich zu 2005 von 556 auf 756 Euro.
Ernüchterung beim Fernsehzuschauer
Alle WM-Spiele wurden von der Schweizer Firma Host Broadcast Service (HSB) komplett in HDTV aufgezeichnet und an alle weltweit angeschlossenen Fernsehsender verteilt. Doch bald folgte bei den Fernsehkäufern die Ernüchterung, denn nur in wenigen Ländern gelangten die Spiele auch in dieser Qualität bis zum Endverbraucher. In Deutschland bot nur der Bezahlsender Premiere seinen Kunden diesen Service. In Europa mussten die meisten Fußballfans mit dem guten alten PAL-Signal vorlieb nehmen, dessen Auflösung bei 720 x 576 Bildpunkten liegt. Bei den neuen Geräten kann dass - je nach Typ und Ausstattung - durch die notwendige Signalkonvertierung zu deutlich sichtbaren Qualitätseinsbussen führen. So fiel für die kauffreudigen Zuschauer trotz neuem Plasma-TV das Fernsehbild mitunter sogar qualitativ schlechter aus, als bei herkömmlichen 100-Hz-Röhrenfernsehern. Auch wenn sich der durch die WM erhoffte Schub für den neuen Übertragungsstandard noch nicht einstellte, gehen Experten davon aus, dass der langsame, aber stetige Siegeszug von HDTV auch hierzulande nicht mehr aufzuhalten sein wird.
Was verbirgt sich hinter HDTV?
Unter High-Definition Television (HDTV) versteht man einen mittlerweile weltweit gebräuchlichen Sammelbegriff für hoch auflösende Fernsehproduktions- und Übertragungsnormen. Bei HDTV ist die Bildzeilenauflösung um rund das fünffache höher als beim PAL-Standard und zeichnet sich durch eine extrem hohe und fein abgestufte Detailgenauigkeit, Bildschärfe, Kontraststärke und Farbtreue aus. HDTV-Sendungen werden im optisch und bildgestalterisch attraktiven, TV-Breitbildformat 16:9 produziert und ausgestrahlt.
Die minimale Auflösung bei HDTV umfasst 720 vertikale Zeilen mit 1280 horizontalen Bildpunkten, was ungefähr einer Million Bildpunkte pro Bild entspricht. Maximal ist derzeit eine Auflösung von 1.080 vertikalen Zeilen mit 1.920 horizontalen Bildpunkten möglich, mit der sich ca. 2 Millionen Bildpunkte pro Bild realisieren lassen.
Varianten in der Bildauflösung - 720p und 1.080i
Technologisch haben sich derzeit bei HDTV im Consumerbereich zwei verschiedene Varianten der Bildauflösung herauskristallisiert: die Auflösung "720p" mit 1.280 x 720 Pixel und progressiver Wiedergabe sowie die Auflösung "1080i" mit 1.920 x 1.080 Pixel mit Interlaced-Wiedergabe. Bei der progressiven Wiedergabe werden Vollbilder überragen, bei Interlaced baut sich das Bild aus zwei Halbbildern auf. Zuerst wird die ungerade Bildzeile dargestellt und dann die gerade, was für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar ist. Den Bildschirmherstellern Grundig und Philips gelang es, durch verbesserte Vollbild-Berechnungen und der Entwicklung leistungsfähigerer Signalprozessoren ("Digital Reference" von Grundig, "Pixel Plus 3HD" von Phillips) eine fast verlustlose Bewältigung des "1080i"-Formates zu erreichen.
| Horizontale Bildpunkte | 1080p | 1080i | 720p |
| Vertikale Zeilen | 1.920 | 1.920 | 1.280 |
| Bild | 16:9 | 16:9 | 16:9 |
| Auflösung | Progressive | Interlaced | Progressive |
| Bilder pro Sek. | 24, 25, 30 | 30, 50, 60 | 24, 25, 30, 60 |
Ausblick - FullHD
Da jedoch trotz allem bei der für "1080i" erforderlichen Datenreduktion durch das Interlacing Qualitätseinbussen entstehen, ist mit "1080p" ("FullHD") aktuell noch ein dritter Auflösungsstandard mit Vollbildübertragung im Gespräch, der qualitativ am besten, jedoch aufgrund der hohen Studiodatenraten von über 3 Gbit produktionstechnisch noch recht teuer ist. Einzelne Bildschirmhersteller engagieren sich bereits in diesem Sektor.
Pioneer gelang mit dem Bau des ersten 1080p Plasma-Display mit voller HD-Auflösung ein technischer Durchbruch in der Plasma-Entwicklung. Der Pioneer PDP-5 000EX bewältigt die volle HD-Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln, was bisher ausschließlich kleineren Bildschirmen mit LCD-Technologie vorbehalten war.
"FullHD" wird mit Sicherheit zu den spannenden Themen der diesjährigen Funkausstellung zählen.
Das HDready Logo - Orientierung für den Verbraucher?
Die neue Gerätevielfalt mit ihren unterschiedlichen Auflösungen und Ausstattungsstandards sorgt für Verunsicherung bei den Verbrauchern. Um diesen mehr Orientierung beim Gerätekauf zu bieten, initiierte der europäischen Branchenverband EICTA das Logo HDready, mit dem technologische Mindeststandards der Hersteller festgelegt werden sollen.
Kleinster gemeinsamer Nenner
Der "kleinste gemeinsame Nenner" bei den mit HDready gekennzeichneten Geräten soll bezüglich des fest definierten 16:9 TV-Bildes eine festgeschriebene vertikale Mindestauflösung von 720 Zeilen sowie eine skalierbare Verarbeitbarkeit von Bildern in 1.080er Auflösung sein. Für die Horizontalauflösungen gibt es keine Festlegungen.
Anschlusstechnisch muss eine digitale DVI- oder HDMI-Schnittstelle mit HDCP-Kopierschutz vorhanden sein, womit eine Forderung der Film- und Musikindustrie umgesetzt wurde. Zudem verfügen HDready-gekennzeichnete Geräte auch über einen analogen Komponentenanschluss (YUV).
Da keine horizontale Bildauflösung festgeschrieben wurde, ergibt sich alleine aus einer Kennzeichnung mit HDready letztendlich kein genauer Rückschluss auf die gebotene Bildqualität der Formate 720p und 1080i. Sendungen im Format 1.080i könnten gegebenenfalls nicht auf allen mit HDready gekennzeichneten Geräten dargestellt werden. Zudem sagt das Logo nichts über die gebotene Tonqualität aus.
"HDReady" steht für "Vorbereitet"
Ein weiterer Punkt ist, dass HDready für "auf HD vorbereitet" steht. Dass sollte man wörtlich nehmen, da für den vollen HD-Genuss in der Regel noch der Erwerb einer separaten, HD-fähigen Set-Top Box für den HDTV-Empfang über Kabel oder Satellit erforderlich ist (DVB-T fehlt derzeit die erforderliche Bandbreite).
Die zusätzliche externe Box ist notwendig, um das mit HDCP (High-Bandwith Digital Content Protection) geschützte TV-Signal über den DVI- oder HDMI-Bildeingang einzuspeisen. Damit will die Film- und Musikindustrie verhindern, dass digital ausgestrahlte Inhalte ohne Qualitätsverluste zum Nulltarif auf dem heimischen DVD- oder Festplattenrecorder aufgezeichnet werden können. Hat der Display kein Kopierschutzsystem, so bleibt beim abspielen eines HDCP-geschützten Filmes der Bildschirm schwarz.
Nur wenige Kabelnetz- und Satellitenbetreiber (z.B. ish, Netcologne, ASTRA) verfügen derzeit über die erforderliche Bandbreite und übertragen ausgewählte Inhalte im HDTV-Standard.
Ganz genau hinschauen!
Der Kaufinteressent sollte also im wahrsten Sinne des Wortes "genau hinschauen" und sich umfassend beraten lassen, da eine Gerätekennzeichnung mit dem HDready Logo allein wenig aussagekräftig ist und kein Gremium darüber wacht, ob die Endgerätehersteller, welche das Logo verwenden, tatsächlich alle Mindestvorgaben einhalten.
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