Technologien
Der Ausbau des Mobilfunknetzes in Ostdeutschland
Alles begann 1989 mit der Entscheidung des Ministeriums für Post und Telekommunikation, eine private Mobilfunklizenz zu erteilen und den Markt zu liberalisieren. Kurze Zeit später wurde bei Mannesmann Mobilfunk in Düsseldorf ein "DDR-Projektteam" gegründet, das sich mit spezifischen Fragen der neuen Bundesländer beschäftigte. Mit dabei waren Ingenieure für Nachrichtentechnik des ehemaligen Zentrums für Wissenschaft und Technik Dresden. Im August 1990 wurde eine Niederlassung in Dresden und einen Monat später in Berlin gegründet.
Der spärliche Ausbau des Telefonfestnetzes im Osten, der zunächst ein Nachteil war, brachte nun einen Vorteil für den schnellen Ausbau des Mobilfunknetzes. "Da wir unsere Mobilfunkstationen nicht an das Festnetz anbinden konnten, wurde - bedingt durch die Situation im Osten - zusätzlich zur Mobilfunklizenz eine neue Richtfunklizenz erteilt. So konnten wir die Stationen schneller miteinander verbinden und das Netz rasch aufbauen", erklärt Dr. Axel Schulz, Leiter Technik der Vodafone Niederlassung Ost. Die Konsequenz war der im Vergleich zum Westen deutlich stärkere Ausbau der Infrastruktur mit einer eigenen Festnetzstruktur via Richtfunk. Dennoch war die Suche nach geeigneten Standorten schwerer als in den alten Bundesländern. Aufgrund eines Bauverbots in der DDR gab es nur wenige Hochhäuser, Plattenbauten konnten das Gewicht der Stationen oft nicht tragen und die ungeklärten Eigentumsverhältnisse erschwerten die Anmietung.
Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten ging der Netzausbau bald zügig voran. Jetzt fehlten nur noch die Mobiltelefone, um den kommerziellen Netzbetrieb zu starten. Der Standardkürzel GSM (Global System for Mobile Telecommunications) wurde schon bald in das Stoßgebet "God Send Mobiles!" umgewandelt. Anfang Juni erhielten die ersten Hersteller wie Ericsson und Motorola die europaweite Zulassung für ihre Prototypen und Ende Juni 1992 verfügte Mannesmann über die ersten tausend kommerziellen Mobiltelefone. Matthias Schulnick, Niederlassungsleiter Vertrieb in Berlin, erinnert sich: "Als ich 1992 bei der damaligen Mannesmann Mobilfunk GmbH hier in Berlin angefangen habe, haben wir unseren Kunden eine Revolution angeboten: Mobiles Telefonieren zu sensationell niedrigen Preisen. 2.500 bis 3.000 DM kosteten die ersten Telefone - und damit nur ca. ein Viertel des bis dato üblichen Preises von 10.000 DM für ein C-Netz Autotelefon."
Die durch die Liberalisierung ohnehin bedingte starke Nachfrage nach Mobilfunk-Diensten traf in Ostdeutschland zudem auf einen enormen Nachholbedarf. "Die mobile Kommunikation erhielt so eine völlig neue Dimension", erinnert sich Schulz. "Durch den Mangel an Telefonen in Privathaushalten erhöhte sich die Nachfrage nach Handys." Mit genau 46 Stationen ging das erste Mobilfunknetz in Ostdeutschland in Betrieb. Damit konnte man in den Innenstädten der großen Städte in den neuen Bundesländern mobil telefonieren. Beim weiteren Ausbau hatten Städte, Ballungsgebiete und die großen Verbindungsstraßen Vorrang.
Rasant ging die Entwicklung weiter: In Thüringen z.B. führten die gute wirtschaftliche Entwicklung und der Ausbau als Tourismusregion seit Beginn der 90er Jahre zu einer verstärkten Nutzung des Mobilfunks, so dass bereits 1995 der Bau einer eigenen Vermittlungszentrale in Erfurt notwendig wurde. Auch der verstärkte Ausbau der Verkehrswege in den neuen Bundesländern stellte die Mitarbeiter der ostdeutschen Niederlassungen vor spannende Aufgaben. So können Autofahrer heute z.B. in den Tunneln der Thüringer Waldautobahn A71, u.a. dem Rennsteigtunnel, mit 8 km Länge der längste Autobahntunnel Deutschlands, mobil telefonieren.
Im Jahr 1995 führt das Unternehmen die SMS (Short Messaging Service) ein und bringt damit einen Dienst auf den Markt, der in den Folgejahren zu einem Riesenerfolg werden sollte. "Niemand ahnte damals, dass sich die Datenübertragung, die ursprünglich nur eine Art Abfallprodukt bei der Übertragung der Steuerdaten war, ohne Werbung zur Killerapplikation entwickeln würde", erinnert sich Schulz. Ende 1999 erreichte das "simmsen" Kultstatus. Im Jahr 1998 waren bereits fünf Millionen Kunden im D2-Netz, Anfang 2000 10 Millionen und im Sommer 2000 bereits 15 Millionen Kunden. Im gleichen Jahr erwarb Vodafone eine UMTS Lizenz und der Aufbau des Netzes für die dritte Mobilfunkgeneration begann.
Mittlerweile gehört das Handy zum täglichen Leben dazu wie die Geldbörse oder der Haustürschlüssel und ist als Kommunikationsmittel nicht mehr wegzudenken. Heute, nur 13 Jahre nach dem kommerziellen Start, telefonieren in Deutschland insgesamt mehr als 72 Millionen Menschen mit dem Handy. Die GSM-Versorgung ist bundesweit nahezu flächendeckend gewährleistet und auch das UMTS-Netz ist bereits in vielen Städten verfügbar.
Im Jahr 2005 bedeutet mobile Kommunikation längst nicht mehr nur die Übermittlung von Sprache. Mit der neuen UMTS-Technologie ist Fernsehen auf dem Handy ebenso möglich wie Videotelefonie und der turboschnelle mobile Zugang ins Internet. Mit der UMTS-Mobile Connect Card (MCC) fürs Laptop kann man heute jederzeit mit bis zu sechsfacher ISDN-Geschwindigkeit ins Internet oder ins unternehmenseigene Intranet kommen, sich E-Mails und Dateien ortsunabhängig herunterladen und so Arbeitsprozesse optimieren. Und die Entwicklung geht weiter: Die nächste Entwicklungsstufe von UMTS trägt die Bezeichnung HSDPA (High Speed Downlink Packet Access). Diese Technologie soll die Kunden mit mobilen Breitbandverbindungen versorgen, die rasante Datenraten von 2 Mbit pro Sekunde bis maximal 14 Mbit/s erreichen - das ist die 14-fache Geschwindigkeit einer Standard-DSL-Leitung.
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