Technologien


Glasfasernetze rücken näher an Haushalte

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Im Rahmen der Internationalen Funkausstellung (IFA) 2005 in Berlin hat die Deutsche Telekom AG den Aufbau eines High-Tech-Glasfasernetzes angekündigt. Die 50 größten deutschen Städte, darunter demnach auch Leipzig, Dresden und Chemnitz, sollen ab 2006 an superschnelle Glasfasernetze angeschlossen werden. Die Telekom will damit den Anforderungen an steigende Bandbreiten beim Endkunden in Deutschland gerecht werden. Walter Raizner, Vorstand Breitband/Festnetz der Deutschen Telekom AG, sprach im Vorfeld der IFA 2005 vom "Eintritt in die Spitzengruppe der Breitbandstaaten". Von Henning Croissant


Dabei kommen hybride Glasfaser-/Kupferkabelnetze zum Einsatz, die das ausschließlich auf Kupferkabeln basierende ADSL ersetzen oder ergänzen.
Die Eckdaten der Infrastrukturmaßnahmen sind beeindruckend: Bis zu 2,9 Millionen Haushalte sollen von der Investition von ca. 3 Milliarden Euro profitieren und bis Ende 2007 über eine Bandbreite von bis zu 50 Mbit/s verfügen können. Die Arbeiten dafür sollen bereits im kommenden Jahr beginnen.
Nähere Informationen über Technologien, Topologien und Protokolle der Glasfaser-Anbindung sowie darüber, ob und in welchem Umfang sächsische Tochterunternehmen der Telekom an den Infrastrukturmaßnahmen beteiligt sein werden, will die Telekom im vierten Quartal 2005 bekannt geben.

Das Zauberwort für die ultra-schnelle Anbindung heißt VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line), von der Telekom bisher auch "DSL über Glasfaser" genannt. Der Anschluss der Kunden erfolgt über Knotenpunkte, welche die Umsetzung der optischen in elektrische Signale, sowie die Aufsplittung der Telefonie- und Datenwege übernehmen. Die dort installierten so genannten Outdoor-DSLAMS (Digital Subscriber Line Access Multiplexer) befinden sich seit Mitte 2005 in mehreren deutschen Großstädten im Praxistest. In Glasfasernetzen werden die Datenströme - im Gegensatz zu Kupfernetzen - nicht über zentrale Vermittlungsstellen an den Backbone übergeben. Diese Aufgabe übernehmen die Outdoor-DSLAMS in den Knotenverzweigern in der Nähe der Haushalte. Die Signale werden bei VDSL je nach Standard mit zwei verschiedenen Modulationsarten in bis zu vier Frequenzbändern übertragen.

Nur die letzte Strecke zum Endkunden wird dabei über bestehenden Kupferleitungen überbrückt. Man spricht auch von FTTC, ein Initialwort für Fiber-To-The-Curb, also die Glasfaseranbindung "bis zum Bürgersteig", oder auch FTTN: Fiber-To-The-Neighborhood.

Die Vorteile des übergeordneten Glasfasernetzes liegen dabei auf der Hand: Immense Bandbreiten, die Resistenz gegenüber elektromagnetischen Störungen und eine im Verhältnis zu Kupferkabeln zu vernachlässigende Dämpfung, sind die Charakteristika, welche die hauchfeine, meist aus reinstem Kieselglas hergestellte Glasfaser für Netzwerke so interessant machen. Glasfasernetzwerke gelten als die schnellsten, technisch realisierbaren Verbindungen. In Backbone-Netzen bereits eingesetzt, ermöglichen reine Glasfasernetze theoretisch Transferraten bis zu 25 Tbit/s.

Die erzielbare Geschwindigkeit der Anbindung wird letztlich durch den Einsatz und die Länge der Kupferkabel bestimmt. Will man die von der Telekom anvisierten Datenübertragungsraten erreichen, dürfen die Kupferkabel bei VDSL Längen von ca. 500 Meter nicht übersteigen. Anders gesagt, je näher das Glasfasernetz an den Kunden rückt, desto schneller ist die Anbindung. Der Nachfolge-Standard VDSL2 soll später bis zu 100Mbit/s leisten können.
Letztlich ist die Anbindung an Glasfaserknotenpunkte auf der Straße oder in der näheren Umgebung (FTTC oder FTTN) nur der Einstieg in die superschnelle Vernetzung. Die nächsten Schritte wie FTTH (Fiber-To-The-Home), der Anschluss der Haushalte an Glasfasernetzwerke, oder FTTD (Fiber-To-The-Desk), die direkte Anbindung von Consumer-Elektronik, werden schon lebhaft diskutiert und von Nutzern in Diskussionsforen weltweit gefordert.

Ob Sie bezahlbar werden, bleibt zumeist offen, die größte Hürde für die flächendeckende Glasfaserverkabelung der Haushalte ist sicherlich der Kostenfaktor. Die Kosten für den Neuanschluss sollen zwar nur unwesentlich über den Kosten für Kupferverkabelung liegen, der Ersatz bereits bestehender langsamer Datenwege, sowie die Installation von optisch-elektrischen Umsetzern dürfte aber Unsummen verschlingen, und den letzten Meter Vernetzung zum teuersten machen.

Ob der hohe finanzielle Aufwand im Verhältnis zum erzielbaren Ergebnis steht hängt aber nicht nur von theoretisch erreichbaren Bandbreiten und der damit verbundenen Kosten ab, sondern vor allem von der Marktreife und vom Marktpotential von Anwendungen, die diese hohen Übertragungsraten benötigen und ausnutzen und damit der neuen Technologie zum Durchbruch verhelfen, den so genannten Killerapplikationen.

Bisher wurden Privathaushalte nicht als Markt für Glasfaser-Internet-Verbindungen betrachtet. Offensichtlich sieht man nun aber einen steigenden Bedarf und somit auch Marktpotential. Ein Grund dafür könnte der TV-Standard der (nahen) Zukunft sein, der auf der IFA 2005 im Mittelpunkt des Interesses sowohl der Aussteller, der Medien als auch des Publikums war: High Definition Television (HDTV).
Die Anbindung der Haushalte an breitbandige Glasfasernetze erlaubt die Übertragung von HDTV und individuell abrufbaren Videostreams. Somit könnten sich die Killerapplikation HDTV und die zukunftsweisende Glasfaser-Netzwerkanbindung gegenseitig zum Durchbruch verhelfen und den Anbietern von Glasfasernetzen eine große Zahl an potentiellen Kunden bringen.
Konventionelle Internetdienstleistungen, Spiele-Angebote oder beispielsweise interaktives Lernen, die die Telekom mit dem Anschluss an die Glasfasernetze zudem propagiert, treten vor der Bandbreitenanforderung von hochauflösendem Fernsehen und Video-on-Demand in den Hintergrund. Zukünftige Applikationen aber, so kann man sicher sein, werden sich sicher nicht durch geringeren Bandbreitenbedarf auszeichnen.

Ein anderes Problem soll "sukzessive", so Telekom Pressesprecher Willfried Seibel, beseitigt werden. Viele Endkunden in den neuen Bundesländern, mussten bisher trotz modernster Glasfaseranbindung auf breitbandiges Internet verzichten: Die hohe Nachfrage nach Telefonanschlüssen nach der 1989 befriedigte die Telekom mit Glasfaserkabeln. Die Installation dieser im Telekom-Sprachgebrauch OPAL genannten Leitungen ermöglichte zwar den zeitnahen Anschluss vieler Telefonteilnehmer, verhinderte aber die breitbandige Internet-Nutzung: ADSL setzt auf die technologisch rückständigeren Kupferkabel. Diese waren aber nicht in ausreichendem Umfang vorhanden.
Im Zuge der Infrastrukturmaßnahmen der Telekom werden aber auch diese Netzabschnitte, entweder durch neue Übertragungselemente oder durch neue Software in den Vermittlungsstellen, Breitband- beziehungsweise ADSL-fähig aufgerüstet.

(Quelle: saxxess.com)

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