Chancen in Europa


Nationale Stoffe, internationale Produktionen - Der Spagat bei Koproduktionen wächst

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Koproduktionen müssen zunehmend den Spagat zwischen internationaler Finanzierung und nationalen Stoffen bewältigen. Auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig zeichneten Produzenten ein entsprechend variierendes Bild bei der internationalen Zusammenarbeit im Medienmarkt Europa.

Degeto-Geschäftsführer Hans-Wolfgang Jurgan zufolge steht dem Zwang zu internationalen Finanzkooperationen die zunehmende Besinnung auf nationale Inhalte entgegen. So sei etwa der Anteil von amerikanischen Serien im deutschen Fernsehen in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen. Um dennoch Kopoduktionen möglich zu machen, entstünden häufig zwei Schnittfassungen für die jeweils beteiligten Länder. Trotz dadurch entstehender zusätzlicher Kosten seien die Gesamteinsparungen durch Kofinanzierungen immer noch beträchtlich. Der Trend zur Koproduktion schaffe aber auch negative Effekte. Denn mit der Produktion verlagere sich auch die Wertschöpfungskette häufig ins Ausland.

Das Interesse an nationalen Stoffen kann nach Ansicht des Geschäftsführers von Bavaria Film, Prof. Thilo Kleine, auch durch multinationale Charaktere abdeckt werden. So entstünde derzeit eine Reihe von Filmen aus dem Katastrophen-Genre, an denen Protagonisten verschiedener Staaten beteiligt seien und die dadurch länderübergreifend finanzierbar sind. Der Film "Der Todestunnel" etwa zeichnet eine Brandkatastrophe in einem Alpentunnel nach, in die Italiener, Deutsche und Österreicher geraten - ein Plot also, der in verschiedenen Ländern interessant ist. "Wichtig ist, dass alle produzierende Seiten einen sicheren Programmwert haben", so Kleine. "Das ist ein Geben und Nehmen aller beteiligten."

Der Fernsehdirektor des MDR, Wolfgang Vietze, sieht auch in Osteuropa ein wachsendes Potential für Koproduktionen. Während bisher viele osteuropäische Länder lediglich als preiswerter Produktionsort und Dienstleister galten, würden allmählich auch "wirkliche" Koproduktionen möglich. Als Beispiele nannte Vietze Estland und Ungarn, wo vor allem die Filmförderung zuletzt massiv aufgestockt wurde. In Ungarn hat nach Aussage der Osteuropa-Repräsentantin von German Films, Simone Baumann, zudem die Gesetzgebung für gute Produktionsbedingungen gesorgt, da 20 Prozent der Kosten erstattet würden. Zwar sind deutsche Stoffe an sich schwer im Ausland verkäuflich, durch Lizenzvergabe könne aber dennoch refinanziert werden. So wurde Baumann zufolge "In aller Freundschaft" für Polen lizenziert, wo die Serie mit polnischen Darstellern nachgedreht wurde. Generell sei die Lage in Osteuropa aber inhomogen. Während in Russland in den vergangenen Jahren verstärkt auf Eigenproduktionen gesetzt wird, habe die Ukraine, auch durch den politischen Wandel, derzeit ein starkes Interesse an internationalen Koproduktionen.

(13.05.2005 / Quelle: Jörg Albinsky, MTM)
 

 


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