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11.07.2008 - saxxess.event 2008: Alles sicher, oder was?

Thomas Mosch vom BITKOM, Ministerialdirigentin Barbara Meyer und PC-Ware-Chef Dr. Knut Löschke (v.l.n.r.) auf dem Podium
Zunächst begrüßte Ministerialdirigentin Barbara Meyer vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit die Gäste und zitierte eine Studie des Branchenverbandes BITKOM, der zufolge Deutschland in Europa die Nummer 1 beim Pro-Kopf-Umsatz im Bereich E-Commerce ist. Moderatorin Nicole Krieger eröffnete dann die Podiumsdiskussion und wollte zunächst von Thomas Mosch, Mitglied der Geschäftsleitung des BITKOM, wissen, wo die größten Gefahren beim E-Business liegen. Mosch verwies vor allem auf die Blauäugigkeit vieler Unternehmer: "Das größte Sicherheitsrisiko ist die Arglosigkeit und die Nachlässigkeit." Ähnlich sah es auch Medienberater Ossi Urchs. Ihm zufolge kommen die meisten Angriffe aus dem Unternehmen selbst, beispielsweise von Mitarbeitern, die vor der Entlassung stehen und gezielt Schaden anrichten wollen.
Doch wenn sich Unternehmen im Internet bewegen, lauern auch rechtliche Risiken: allen voran die gefürchtete Abmahnung. Damit wurde auch schon Kirstin Walther konfrontiert. Sie ist Geschäftsführerin der Kelterei Walther's aus Arnsdorf bei Dresden und betreibt seit 2006 ein Unternehmensblog - den Saftblog. Nachdem sie im Februar 2006 einen Blogeintrag über die Olympischen Spiele mit einem Bild der olympischen Ringe veröffentlicht hatte, erhielt sie im Dezember des Jahres eine Abmahnung des Deutschen Olympischen Sportbundes mit einem Gegenstandswert von 150.000 Euro. Zunächst war sie so entmutigt, dass sie ihren Blog schließen wollte. Doch der Zuspruch und das Engagement ihrer Leser überzeugten sie weiterzumachen. Kristin Walther hatte Glück: Wohl auch weil die Medien den Fall aufgegriffen hatten, gab der Olympische Sportbund schließlich klein bei und sie musste lediglich eine Strafe von 250 Euro zahlen.
Die Praxis einiger Anwälte, die im Internet gezielt nach Rechtsbrüchen suchen, um dann Abmahnungen zu verschicken, kritisierte Dr. Knut Löschke, Vorstand der PC-WARE Information Technologies AG. Auf diese Weise würde unter den Usern Panik vor Abmahnungen verbreitet, mit der Konsequenz, dass diese das Internet nicht mehr nutzen. Auch IT-Fachanwalt Dr. Christian Klostermann hielt dieses Vorgehen für überzogen. Löschke forderte weiterhin mit Nachdruck ein neues Rechtssystem, das den modernen Medien gerecht werde und von jedermann verstanden werden müsse. Und auch Kirstin Walther gab zu bedenken, dass viel mehr Unternehmen das Internet stärker geschäftlich nutzen würden, wenn der rechtliche Rahmen nicht so kompliziert wäre.
Die Grenzen haben sich verschoben, so Ossi Urchs. Viele Menschen bewegen sich heute in einem Rechtsraum, in dem sie eigentlich beruflich gar nicht zu Hause sind. Jeder kann im Internet redaktionelle Texte veröffentlichen, allerdings fehlt meist das medienrechtliche Hintergrundwissen. Es werde jedoch erwartet, dass sich jeder einzelne in den verschiedensten Bereichen des Rechts auskenne. So konstatierte Urchs: "Wir haben ein Rechtssystem, das der Technik nicht mehr entspricht."
(11.07.2008 / Quelle: saxxess.com / Bild: saxxess.com)
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