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07.04.2008 - Die Qual der Wahl: Bezahlsysteme im Internet

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Bezahlsysteme im Internet
Der Verkauf von Waren und Dienstleistungen über das Internet erlebte im Jahr 2007 einen erneuten Boom. Laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) haben deutsche Verbraucher 17,2 Milliarden Euro im Netz ausgegeben - zwölf Prozent mehr als im ohnehin starken Jahr 2006. Damit bleibe dieser Vertriebsweg weiterhin derjenige mit der größten Dynamik. Diese Zahl könnte noch weiter ansteigen, meinen Experten. Denn auf dem Gebiet der Zahlungsverfahren seien noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Ideen haben die Anbieter genug, vor allem im Bereich des mobilen Bezahlens. Allein an der Umsetzung und Verbreitung scheiterte es bislang.

Im Mai 2000 schickte sich ein neuer Anbieter an, das Bezahlen im Internet zu revolutionieren. Anstatt auf die wenig beliebten Chipkartenlesegeräte für den heimischen Computer zu setzen, die heute nahezu ausgestorben sind, sollte der Kunde mit seinem Handy bezahlen. Paybox war geboren - und funktionierte erstaunlich gut. Einkäufe aus Onlineshops konnten beglichen und Handyguthaben aufgeladen werden. Dazu brauchte das System nur die Mobilnummer des Käufers, der nach dem Bestellvorgang angerufen wurde und einen Zahlencode ins Telefon eingeben musste. Wenige Sekunden später waren Lottoschein, Blumen oder der Urlaub bezahlt. Bis zum Januar 2003, als Paybox seinen Dienst in Deutschland einstellen musste, weil Partner wie die Deutsche Bank ausstiegen. Seitdem existiert das Bezahlsystem nur noch in Österreich.

Dabei wünschen sich auch die Endkunden hierzulande seit Jahren die Begleichung ihrer Bestellungen per Handy. Dr. Key Pousttchi, Leiter der Arbeitsgruppe Mobile Commerce an der Universität Augsburg, beispielsweise ging anlässlich der im Januar 2008 durchgeführten 8. Konferenz MCTA davon aus, dass knapp 50 Prozent der Deutschen diese Art des Einkaufens bevorzugen würden. Bislang steckt das so genannte Mobile Payment in unserem Land aber noch in den Kinderschuhen. Ändern könnte sich das in diesem Jahr. "Die Anbieter kommen jetzt aus ihrer Nische heraus. Eine Reihe von Dienstleistern drängt mit realen Lösungen auf den Markt", sagt er. Erste gute Ansätze gibt es bereits, auch wenn einige - wie beispielsweise die Lösung "Call and Pay flexible" von der Deutschen Telekom - vorerst nur in der Offline-Welt funktionieren.

Einen kleinen Schritt weiter sind die Mobilfunkunternehmen Vodafone und O2. Zur diesjährigen CeBIT stellten diese ein gemeinsames Bezahlsystem vor: mpass heißt es und kombiniert das Lastschriftverfahren mit einer Kaufbestätigung per SMS. Nach dem Bestellvorgang im Internet muss eine Kurzmitteilung an mpass gesandt werden, über die der Kunde die Bezahlung autorisiert. Dies erhöhe laut den Betreibern die Sicherheit, weil zwei voneinander unabhängige Systeme, Internet und Mobilfunk, verwendet werden. Einsatzfähig ist das System aber noch nicht. Peggy Hoy, Sprecherin der Vodafone Niederlassung Ost, sagt dazu: "Bislang gibt es keinen festen Termin. Wir sprechen derzeit mit Händlern und schließen die notwendigen Verträge ab. Sobald dies abgeschlossen ist, die Händler implementiert sind und wir genug Partner haben, damit sich das Angebot lohnt, werden wir das Bezahlsystem starten."

Ausgereifter sind die reinen Online-Lösungen. Beispielsweise das eBay-Bezahlsystem PayPal. In Onlineshops, die diese Technik unterstützen, zahlt der Kunde mit zwei Klicks. Bank- oder Kreditkartendaten müssen nicht eingegeben werden, sondern verbleiben geschützt bei PayPal. Innerhalb weniger Sekunden erhält der Verkäufer das Geld. Mittlerweile unterstützen laut des Institutes für Handelsforschung an der Universität Köln 43,9 Prozent der deutschen Onlinehändler PayPal. Der aktuellen Studie "Der Internet-Zahlungsverkehr aus Sicht der Händler 4" ist außerdem zu entnehmen, dass weitere 14 Prozent bis Ende des Jahres PayPal als Bezahlsystem aufnehmen wollen. Damit ist der eBay-Dienst verbreiteter als die klassische Kreditkarte. Händler könnten, so eine Erkenntnis der Studie, Umsatzsteigerungen von sieben bis 13 Prozent erzielen, wenn sie PayPal anbieten. Ziel des Unternehmens sei es nach der Erteilung der Banklizenz im Juli vergangenen Jahres, PayPal in jeden europäischen Onlineshop zu integrieren.

Ähnlich funktioniert ClickandBuy. Das Unternehmen, das aus der Firstgate Internet AG hervorging, beschäftigte anfangs drei Mitarbeiter, heute sind es 220 weltweit. Rund 7.000 Anbieter unterstützen den Dienst. Bei der Registrierung gibt der Käufer Bank- oder Kreditkartendaten ein. Beim Kauf muss er sich dann lediglich bei ClickandBuy einloggen und die Transaktion bestätigen. Die Abrechnung erfolgt monatlich über das Giro- oder Kreditkartenkonto. Vor allem Anbieter von digitalen Inhalten, etwa Verlage oder Wetterdienste, nutzen den Service. Ebenso bieten reine Onlineshops diese Bezahlvariante an.

Auch beim Telekom-Bezahldienst T-Pay müssen sensible Daten nur einmal beim Anbieter und nicht bei jedem Shop angegeben werden. Die Abrechnung erfolgt dann über verschiedene Varianten, etwa Lastschrift, Kreditkarte oder die Telekom-Rechnung. Anders bei Web.Cent, der Internetwährung des Portals Web.de. Hier kann erst nach Aufladung bezahlt werden und erst nach Zahlungseingang per Überweisung oder Bankeinzug sind die Web.Cent vollumfänglich nutzbar.

Eine weitere Möglichkeit der Bezahlung ist der Dienst giropay. Das Verfahren ging aus einem Gemeinschaftsprojekt der Postbank, der Sparkassen und Volksbanken Raiffeisenbanken hervor. Giropay leitet den Käufer während des Zahlvorgangs auf die Internetseite seiner Bank, wo er PIN und TAN in üblicher Weise eingibt. Dies mache giropay unschlagbar sicher, sagt das Unternehmen.

Aber auch alle anderen genannten Bezahlverfahren stehen in Sachen Sicherheit nicht hinten an. Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen hält PayPal, T-Pay, ClickandBuy oder den Web.Cent für unbedenklich. Eventuelle Sicherheitsrisiken könnten durch einen sorgsamen Umgang mit den Zugangsdaten minimiert werden.

Für welchen Bezahldienst sich Kunden entscheiden, bleibt ihnen überlassen. Wünschenswert aus Kundensicht wäre sicher ein Dienst, der weit verbreitet ist. Bis ein solcher gefunden ist, bleiben für die breite Masse nur die herkömmlichen Zahlmethoden wie Vorauskasse, Zahlung auf Rechnung, Lastschrift oder Nachnahme. Diese bleiben vorerst, so ein Ergebnis der angesprochenen Studie zum Internet-Zahlungsverkehr, trotz neuer Verfahren die dominierenden Bezahlverfahren im Netz.

Weitere Bezahlverfahren sind beispielsweise:
Wirecard, Moneybookers, Paysafecard oder Infin.

(07.04.2008 / Quelle: saxxess.com / Bild: saxxess.com)

 

 


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