Technologien
10.09.2007 - Barrierefreie PDF-Dateien: Nicht einfach, aber machbar

Barrierefreies PDF
Barrierefreiheit bedeutet, dass alle Nutzergruppen sämtliche Inhalte eines Webauftrittes nutzen können. Grundlage ist hier die so genannte Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV). Diese ist eine Ergänzung zum Behindertengleichstellungsgesetz, trat am 27. April 2002 in Kraft und gilt für alle Internet- und öffentlichen Intranetangebote von Behörden und Bundesverwaltungen. Allerdings gilt die Empfehlung für BITV-konforme Internetangebote auch für private und kommerzielle Websites.
Umgesetzt wird die barrierefreie Erstellung von PDF-Dateien bislang nur stiefmütterlich. Die Initiative "Einfach für Alle" der Aktion Mensch nennt drei Gründe dafür: Mitarbeitern aus Verwaltung und Marketing fehlen technisches Verständnis und Hintergrundwissen, die Anwendungen zum Erzeugen solcher Dokumente sind zu umständlich und zur Anzeige barrierefreier PDFs wird Zusatzsoftware benötigt. Ein weiterer Grund dürfte die eingeschränkte Kompatibilität von PDF-Dateien mit Screenreadern sein, jenen Programmen also, die Blinden und Sehbehinderten die Informationen auf dem Bildschirm in Audioform oder über eine Braillezeile wiedergeben.
Schaut man sich die ursprüngliche Definition des PDF an, so scheint eine Barrierefreiheit ein Widerspruch zu sein: Das Erscheinungsbild eines PDF-Dokumentes soll auf allen Plattformen gleich sein. Layout, Schrift und Farben müssen bei jedem Nutzer so angezeigt werden, wie der Anbieter sie erstellte. Barrierefreiheit verlangt aber genau das Gegenteil: Hier müssen Inhalte an persönliche Bedürfnisse und etwaige Handicaps anpassbar sein. Laut "Einfach für alle" liegt die Zugänglichkeit der meisten im Netz verfügbaren PDFs auf einer Skala von "gut" bis "unmöglich".
Dass es trotzdem möglich ist, barrierefreie PDF-Dateien zu erstellen, zeigt das Beispiel "tagged PDF". Bei Tags handelt es sich um unsichtbare Strukturinformationen, die Grundlage für zugängliche PDFs sind. Die technische Schreibweise für "tagged PDF" ähnelt der von (X)HTML. Natürlich ist ein Dokument keine Website, darum können PDF-Dateien auch nicht wie HTML-Dateien mit jedem Editor, sondern Anwendungen wie etwa dem Adobe Reader angezeigt werden. Die Erstellung von mit Tags versehenen PDFs ist mit der Standardanwendung Adobe Acrobat oder kompatiblen Programmen möglich. Bereits seit dem Adobe Reader 5 wurde "tagged PDF" eingeführt und bis zur heutigen Version 8 ausgebaut.
Nach Ansicht von "Einfach für Alle" sollten zugängliche Dokumente beispielsweise über folgende Eigenschaften verfügen: Strukturierte Inhalte mit Überschriften und Absätzen, Navigation über so genannte Lesezeichen und das Einfügen von Alternativtexten für Bilder - ähnlich wie bei der (X)HTML-Programmierung. In Textverarbeitungsprogrammen wie Word oder OpenOffice müssen also konsequent die Formatvorlagen genutzt werden. Listen, Fußnoten und Tabellen sollten entsprechend ihrer Bedeutung eingesetzt werden, Links müssen aktiviert sein. Auch ist der Einsatz von Spalten oder Textfeldern einer Seitenaufteilung mit Tabellen vorzuziehen. Zudem sollten Kopf- und Fußzeilen keine wesentlichen Informationen enthalten. Vor der Konvertierung zum PDF muss sichergestellt werden, dass diese Informationen auch hinzugefügt werden. Der Export als PDF funktioniert dann nicht über den eingebauten Druckertreiber, sondern über das Menü Adobe PDF.
Weiterführende Informationen hat die Initiative "Einfach für Alle" auf ihrer Website zum freien Download hinterlegt: http://www.einfach-fuer-alle.de/download/
(10.09.2007 / Quelle: Daniel Große / Bild: saxxess.com)




