Technologien


Informationstechnologien und ihre Umweltbilanz - das Klima ändert sich

Vorherige Newsmeldung Nächste Newsmeldung
Der drohende Klimawandel durch den weltweiten Kohlendioxidausstoß gilt spätestens seit den Berichten des Internationalen Wissenschaftsrat zum Klimawandel (IPCC) als eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Nicht umsonst war dieses Thema der in der Öffentlichkeit meistbeachtete Punkt auf der Agenda des vergangenen G8-Gipfels in Heiligendamm. Die große Rolle, die Verkehr und Transport aber auch Stromerzeugung bei den weltweiten Kohlendioxidemissionen spielen, ist unbestritten. Durch den sehr direkten Zusammenhang zwischen Verbrauch von elektrischer Energie und Kohlendioxidausstoß sind weltweite Computernetzwerke, IT-Industrie aber auch privatgenutzte Computer konsequenterweise Teil der Diskussion über tragfähige Zukunftskonzepte geworden. Von Henning Croissant.


IT-Infrastrukturen als Stromfresser
In welchem Maße die Branche der Informations- und Kommunikationstechnologie am Klimawandel beteiligt ist, lässt sich bisher nur abschätzen. Die genannten Zahlen reichen dabei von 0,5 bis 2 Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen. Im Fokus der Betrachtungen steht dabei in erster Linie der Stromverbrauch von Rechenzentren weltweit. Über deren elektrischen Leistungsbedarf gibt es keine gesicherten Zahlen, wohl aber Richtwerte, die als grober Maßstab herhalten können. Realistisch erscheinen dabei Werte zwischen 10000 und 20000 Megawatt. Das entspricht der Leistung von 10 bis 20 großen Kohlekraftwerken. Der Stromverbrauch von Computern in Privathaushalten ist dabei freilich noch nicht enthalten.

Der Energiebedarf von Rechenzentren nimmt indes immer weiter zu. Mehr Rechner, mit immer höherer Leistung, benötigen immer mehr Strom zum Betrieb. In den USA wird der Energieverbrauch von Servern gerade auch vor dem Hintergrund des hochbelasteten Stromnetzes des Landes immer kritischer betrachtet. Der Leistungsbedarf zur Kühlung von Rechenzentren spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle.

IT goes GREEN
Die größten IT-Unternehmen haben mittlerweile reagiert, und die Sujets Energiebilanz und Umweltschutz immer mehr zu ihren Themen gemacht. Ausdrücke wie "Energieeffizienz" und "ressourcenschonende Produktion" findet man im Zusammenhang mit dem Begriff "Green" in den Philosophien aller Marktgrößen wie beispielsweise AMD, Intel, Sun, HP, Dell, aber auch Cisco und IBM. Dabei bleibt es nicht bei bloßen Lippenbekenntnissen. Die Größenordnungen der angestrebten Verbesserungen lassen sich am besten am betriebenen finanziellen Aufwand ablesen. So will alleine IBM eine Milliarde US-Dollar jährlich in die Optimierung der Energieeffizienz stecken. Die größten Potenziale werden dabei sowohl von IBM als auch von anderen Branchenriesen wie Cisco vor allem in der Optimierung der Netzwerkstrukturen gesehen. So sollen einzelne Komponenten wesentlich besser ausgenutzt, und der Wirkungsgrad der gesamten Infrastruktur gesteigert werden. HP will mit den Ergebnissen eines internen Ideenwettbewerbs an seinen Standorten ca. 1,3 Millionen Kilowattstunden jährlich einsparen. Aus Energiesparmodellen in größerem Maßstab eröffnen sich somit auch größere finanzielle Sparpotenziale.

Heiße Komponenten
Großes Optimierungspotenzial bieten derweil auch die verbauten Komponenten, sowohl in Rechenzentren, als auch in Computern von Privatanwendern. Computernetzteile beispielsweise arbeiten durchschnittlich mit Wirkungsgraden um 75 Prozent. Das heißt, lediglich dreiviertel der verbrauchten Energie wird in elektrische Leistung umgewandelt. Der Rest ist Verlustleistung, die als ungewollte Wärme wieder abgeführt werden muss. Vor allem billige Netzteile auf dem Markt verfügen zudem über weit schlechtere Wirkungsgrade.

Der Stromverbrauch von kompletten PCs liefert entgegen der grünen Ziele der Industrie zunehmend Grund für Kritik. Auch wenn von den Herstellern stromsparende Varianten einzelner Computerbauteile entwickelt werden: Die Marketingsuperlative der Produzenten aber auch der Leistungshunger der Kundschaft führte zur Entwicklung äußerst stromhungriger Komponenten. Nur ein Beispiel sind die erst eingeführten, unter der Federführung von AMD produzierten Grafikkarten mit einer elektrischen Leistung von weit über 200 Watt. Im Extremfall verlangen hochgezüchtete Systeme mit zwei dieser Grafikkarten, einem Hochleistungsprozessor und mehreren Festplatten, nach einem Netzteil im Bereich von 1000-Watt. Also auch wenn sich Hersteller und Distributoren eine gesteigerte Energieeffizienz ihrer Produkte zum Ziel gesetzt haben: Abgesehen von dem systembedingten geringen Stromverbrauch von Notebooks, ist davon noch wenig zu sehen.

Weniger Umweltgifte
Die Energiebilanz von Hardware im Betrieb ist nur ein Ansatzpunkt für die Verbesserung der Umweltverträglichkeit von Computern. Bisweilen unbeachtet bleibt, dass gerade die Herstellung von elektronischen Bauteilen eine große Menge Energie und Rohstoffe verbraucht.
Dass auch auf diesem Gebiet mit öffentlichem Druck eine Veränderung eingeleitet werden kann, zeigt ein anderer Global Player. In der Vergangenheit vor allem wegen der Verwendung von Umweltgiften wie Quecksilber und Arsen und nur eingeschränkter Recyclingfähigkeit seiner Produkte kritisiert, will Apple in Zukunft unter anderem konsequenter die Erfolge der eigenen "grünen" Aktivitäten kommunizieren und die giftigen Stoffe weitestgehend aus der Produktion entfernen.

Der Nutzer im Fokus
Einen anderen Ansatz zum besseren Umgang mit Ressourcen verfolgt ReUse-Computer e.V.. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, ältere - an sich funktionsfähige - Technik der Entsorgung zu entziehen, und einer wirtschaftlichen Wieder- und Weiterverwendung zuzuführen. Auch Umweltorganisation raten vor diesem Hintergrund - wenn möglich - aufzurüsten, statt neu anzuschaffen. Fernab jeder technischen Entwicklung besitzt jeder Computernutzer die Mittel und Wege, um seinen Teil zur besseren Energie- aber auch Umweltbilanz beizutragen.
Der Ruhestromverbrauch von Geräten der Unterhaltungselektronik wird immer wieder angesprochen. Stand-by ist Energieverschwendung. Klar ist, lange ungenutzte Geräte verbrauchen keinen Strom, wenn man sie komplett vom Netz trennt. Bei Computern hingegen könnte die konsequente Nutzung von Stand-by-Funktionen eine ganze Menge Energie einsparen. Den Computer in kürzeren Arbeitspausen in den größtmöglichen Ruhezustand versetzen, dabei auf Bildschirmschoner verzichten, entsprechende Einstellungen am Gerät so vornehmen, dass der Computer selbstständig in den Stand-by-Modus wechselt, sind nur einige Maßnahmen, die sich unmittelbar auf den Stromverbrauch auswirken.

Der private Nutzer besitzt als Käufer noch ein weiteres Mittel hin zu mehr Umweltverträglichkeit. Die gezielte Auswahl von stromsparenden und ressourcenschonenden Geräten könnte der Industrie einen gewaltigen Impuls zur Entwicklung diesbezüglich optimierter Geräte geben. Mit der zunehmenden Debatte um die drohende Klimakatastrophe werden energetische Spezifikationen von Computerprodukten immer mehr zum Kaufargument. Alleine die Auswahl der richtigen Hardware fällt schwer. Mittlerweile bemühen sich mehrere Instanzen um die Klassifizierung von Computern und Komponenten nach deren Energieeffizienz oder deren Umweltbilanz. Die Gemeinschaft Energielabel Deutschland (GEA), der TÜV-Rheinland, EnergyStar, bzw. dessen europäischer Ableger EU-EnergyStar, die Initiative EnergieEffizienz oder auch die EcoTopTen bieten Informationen und Anhaltspunkte über empfehlenswerte Geräte. Eine allgemeingültige und -verständliche Einordnung der Geräte nach deren Stromverbrauch, bei Haushaltsgeräten schon lange üblich, gibt es bisher allerdings noch nicht.

Der Klimawandel
Inwieweit neue Entwicklungen zum Umweltschutz und zur Energieeffizienz beitragen, bleibt abzuwarten. Hardware, Infrastruktur und Nutzerverhalten lassen jedenfalls noch viele Möglichkeiten zum Energiesparen ungenutzt. Eines ist jedoch sowohl Politik, Industrie und wirtschaftlichen wie privaten Anwendern zu attestieren: ein stetig ansteigendes Umweltbewusstsein. Dass dieses Umweltbewusstsein bisweilen sehr kreative Früchte trägt, zeigt die Fachhochschule Eberswalde. Mit einer Spende von 350 Lindendollar, umgerechnet einem US-Dollar, können Nutzer der virtuellen Welt Second Life ihren Beitrag für ein ganz reales Aufforstungsprojekt der Fachhochschule leisten, um damit wenigstens das zweite Leben ganz klimaneutral zu gestalten.

( / Quelle: )

 

 


saxxess.event

IT-Recht und IT-Sicherheit in der Praxis
Beim saxxess.event am 10. Juli 2008 in Dresden greifen Experten aus Politik und Wirtschaft die drängenden Fragen zu IT-Recht und IT-Sicherheit auf. Neben der traditionellen Abendveranstaltung findet in diesem Jahr auch eine Workshop-
reihe am Nachmittag statt. weiter


IT-News weltweit

photo_1215188542823-1-1

Datenpanne bei deutschem Marktforschungsinstitut
Durch eine Datenpanne beim Marktforschungsinstitut TNS Infratest/Emnid sind nach Angaben des Chaos Computer Club (CCC) tausende persönliche Daten auf einer internen Internetseite zugänglich gewesen.  weiter


Downloads

saxxess.newsscreen - auf die Sekunde informiert!
Der Bildschirmschoner und Schreibtischhinter- grund für das IT-Land Sachsen. weiter